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Während die Entfernung zwischen Moskau und Petersburg auf dem Land nur 650 Km beträgt, besteht die Wasserroute zwischen zwei Städten aus 10 verschiedenen Gewässern und ist während der Kreuzfahrt 1990 Km lang. Unter den Wasserwegen, die auf der Reise befahren werden, befinden sich Europas größter See – der Ladoga-See, Europas längster Fluß und der längste von Menschenhand geschaffene Kanal der Welt. Die Regierung hat in der sowjetischen Zeit praktisch jedes Gewässer entlang der Strecke geändert, um es einfacher befahrbar, oder zur Elektrizitätsgewinnung nutzbar zu machen. Die russische Landschaft ist jedoch majestätisch geblieben.

Die größten Ströme Rußlands wurden von alters her als Wasserwege genutzt. Die „Vernetzung" der Flüsse zu einem zusammenhängenden System wurde im Laufe von 250 Jahren realisiert. Man versuchte schon in der Petrinischen Epoche (Anfang des XVIII. Jh), den Moskwa-Fluß mit der Oberen Wolga, die Wolga mit der Ostsee und dem Don zu verbinden

Im XX.Jh wurden die europäischen Flüsse zum heutigen Wasserstraßensystem zusammengeschlossen, die Wolga wurde reguliert und Stauseen mit Wasserkraftwerken angelegt. Unglaublich viel Wald wurde überflutet, viele Fischarten der Ausrottung einen Schritt näher gebracht und so viele Menschenleben entwurzelt.

Die Trasse, die während meiner Reise befahren wurde wird seit 1964 der „Wolga-Ostsee-Wasserweg" genannt. Es besteht aus folgenden künstlichen und natürlichen Wasserstraßen und Seen:

- Fluß Newa
- Ladoga See
- Fluß Swir
- Onega See
- Fluß Wytegra
- Wasserscheide Kanal oder Wytegra-Kanal
- Fluß Kowscha
- Weißer See
- Fluß Scheksna
- Rybinsker Stausee.
ST.- PETERSBURG
St. Petersburg (ursprünglich Petrograd), das von 1914 – 1991 Leningrad hieß, befindet sich auf dem 60. Breitengrad und somit auf der Höhe von Südgrönland.

Das „Venedig des Nordens" liegt an der Mündung der Newa in der Kronstädter Bucht des Finnischen Meerbusens auf 44 Inseln im Mündungsdelta. Die größte der Inseln ist mit 10 km2 die Wassilij-Insel. Insgesamt 300 Brücken überqueren die 86 Flüsse, Bäche und Kanäle, die auf insgesamt 160 km die Stadt durchfließen. Von diesen 300 Brücken sind 21 Zugbrücken, um Schiffe passieren zu lassen

Berühmt ist die Stadt für ihre weißen Nächte (Ende Juni – Anfang Juli). Man sagt, dass man in dieser Zeit die ganze Nacht über Zeitung lesen kann. Dafür sind die Wintertage kurz und können durch die hohe Luftfeuchtigkeit empfindlich kalt sein.

1703 wurde St.Petersburg von Peter (I.) dem Grossen gegründet, wobei der Namensgeber nicht der Zar, sondern der heilige Peter gewesen sein soll. Von 1712 bis 1918 war die Stadt, die im 18. Jahrhundert buchstäblich „aus dem Sumpf gestampft" wurde, Hauptstadt. Als erstes Gebäude wurde die Peter-und-Pauls-Festung errichtet.

Der Zar betrieb den Bau seiner neuen Hauptstadt äußerst zielstrebig und nicht ohne Härte: bis zu 200 000 Menschen arbeiteten an der Rodung der Wälder und der Trockenlegung der Sümpfe durch Kanäle, wobei Tausende den Tod fanden. Das Gelände und das Klima waren denkbar ungeeignet für die Anlage einer neuen Stadt. Weiter befahl Peter der Grosse den reichen Familien, jeweils ein Steinhaus zu errichten.

Die Stadt wurde auf dem Reißbrett entworfen und zeigt im Gegensatz zu Moskau einen westlichen Charakter. Die besten russischen und westlichen Architekten wie Stassow, Sacharow, Rossi, Rastrelli, Quarenghi und de La Mothe hinterließen wahre Prachtbauten. Doch auch andere Zaren arbeiteten an dem gedanklichen Werk Peters I. weiter. Am stärksten ist das historische Stadtbild von Barock und Klassizismus geprägt – und das trotz enormer Schäden während des zweiten Weltkrieges. In St.Petersburg ist fast alles wieder hergestellt worden. Viele Gebäude und Paläste haben sogar ihre ursprüngliche Form wiederbekommen, die durch nachträgliche Umbauten oder Renovierungsarbeiten entstellt worden war. Auch die in den Vororten (Peterhof direkt an der Ostsee, Pavlovsk und Sarskoje Selo, dem Zarendorf)) liegenden und z.T. sehr stark im 2. Weltkrieg durch die deutsche Arme zerstörten Zarenresidenzen werden immer noch restauriert.

Eines der beindruckendsten Gebäude im sogenannten russischen Barock ist der Winterpalast, der 1754-1762 von Rastrelli als Zarenresidenz erbaut wurde. In diesem und den angrenzenden vier Gebäuden ist heute eine der größten Kunstsammlungen der Welt untergebracht, die den Namen Ermitage trägt.

Weltberühmt wurde der Winterpalast aber in einem völlig anderen Zusammenhang: die Erstürmung der Residenz durch Arbeiter, Matrosen und Soldaten im Oktober 1917 bedeutete das Ende des russischen Zarismus und ging als Große Sozialistische Oktoberrevolution in die Geschichte ein. Die Zarenfamilie wurde nach Sibirien verbannt und dort 1918 erschossen. Die sterblichen Überreste wurden erst 1991 in Ekaterinburg gefunden und 1998 ganz feierlich in der Peter-Pauls-Kathedrale beigesetzt.

Die Stadt selbst gilt als Architekturmuseum mit ihren über 200 atemberaubenden Palästen und Monumenten. Zur kulturellen Stimulation kann die 5 Mio Köpfe zählende Bevölkerung, aus über 50 Museen, 20 Theatern, 60 Stadien und 4500 Bibliotheken wählen. Der italienische Architekt Carlo Rossi baute 1834 eine ganze Straße, die heute seinen Namen trägt. Diese Straße ist vollkommen symetrisch: die Häuser sind 22 Meter hoch – die Straße ist 22 Meter breit und 220 Meter lang. Die örtliche Industrie umfaßt Schiffsbau, Maschinenbau, Druckereien, Brauereien, Textilien, Elektronik und natürlich dem Tourismus. Es ist eine Stadt der großen Gegensätze....auf der einen Seite die aufwendig rekonstruierten Paläste und Bauten – eben die Bereiche der Stadt, die von Touristen besucht werden – und auf der anderen Seite verfallenden Wohnsilos, weil dafür keine Gelder zur Verfügung stehen. St. Petersburg ist eine riesiges Museum, es ist eine Traumfabrik höchster Güte. Wenn auch vieles rekonstruiert wurde, so konnten doch unermessliche Kunstschätze damals gerettet werden, die heute in den Museen und Palästen zu bewundern sind.

Newa
Die Newa, die ihre Quelle im Ladoga-See hat, fließt auf einer Gesamtstrecke von 74 km bis zum finnischen Meeresbusen, wo sie sich in ein 280 000 km3 großes Becken ergießt. Der Name des Flusses ist abgeleitet vom finnischen Wort „Newo" (sumpfig), was die Mündung des Flusses treffend beschreibt. Die Newa, zum ersten Mal im 9. Jh. vom Fürstentum Nowgorod für Russland beansprucht, war seit je her ein Zankapfel zwischen Schweden und Russen. Peter der Große konsolidierte schließlich Rußlands Anchspruch auf den Fluß mit seinem Sieg über Schweden im Nordischen Krieg (1700-1721). Da er beabsichtigte, den Fluß zu halten, gründete er kurzerhand seine neue Hauptstadt St. Petersburg an dessen Mündung.

In der Tat ist die Newa integraler Bestandteil St. Petersburgs, das sich über 42 der Inseln des Flusses erstreckt und von einem System von flußgespeisten Kanälen unterteilt wird. Dieser Anblick erinnert zwar einerseits angenehm an Venedig oder Amsterdam, hat aber historisch auch viele schlimme Überschwemmungen bedeutet. Wenn man in St. Petersburg umherläuft, sieht man vielleicht hier und da eine Gedenktafel, die den Wasserstand in der Stadt während einer der verheerenden Fluten von beispielsweise 1824 bzw. 1924 anzeigt. Die Newa versorgt neben dem Ladoga-See St.Petersburg mit Trinkwasser.Die Fahrt mit dem Schiff zwischen St.Petersburg und Ladoga-See ist landschaftlich sehr schön, zumal die Newa einige sehr hohe Ufer (zwischen 3 und 9 m) und eine Breite zwischen 250 und 1300 m besitzt. Auf dem 25 km langen Abschnitt innerhalb der Stadtgrenzen St.Petersburgs liegen Vororte und Dörfer am Ufer. Weiter entfernt von der Stadt ist die Umgebung natürlicher. Die Wassertiefe entlang des Weges beträgt zwischen 8 und 24 m, und die Strömung hat eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 km/h, abgesehen von einem flaschenhalsförmigen Abschnitt, den Iwanowsker Stromschnellen (3 m pro Sekunde), an dem der Fluß schneller wird. Bedingt durch die Nähe zur Ostsee, ist das Klima um den Fluß in der Regel feucht und regnerisch. Sogar im Hochsommer im Juli steigt das Thermometer selten über 25 Grad.

Die Festung Schlüsselburg

...liegt an der Quelle der Newa. Sie wurde erstmals 1228 in den Nowgoroder Annalen erwähnt: gebaut auf der kleinen „Nußinsel" in der Newa, trug sie den Namen „Oreschek" (kleine Nuß). Während der schwedisch-russischen Kriege im XVI. und XVII. Jh. war die Festung immer ein wichtiger strategischer Punkt. „Mit diesem Schlüssel öffnen sich viele Tore" – schrieb Peter I. Durch die Eroberung der Festung war der Weg über die Newa in die Ostsee freigeworden.

Die strategische Bedeutung der Festung nahm mit der Entwicklung St.Petersburgs immer mehr ab. Ihre traurige Berühmtheit erhielt sie dadurch, dass sie ab dem XVIII. Jh. als politisches Gefängnis diente.

Peter I. ließ hier seine Schwester einsperren, und nach seinem Tod wurde Schlüsselburg der Aufenthaltsort seiner ersten Frau Jewdokija Lopuchina. Im Laufe der Zeit verbüßten hier viele Oppositionelle ihre Strafen, darunter Lenins älterer Bruder Alexander Uljanow. Er wurde im Burghof für seine Mitwirkung an einem Attentat auf Zar Alezander III. hingerichtet. 1917 wurden die Gefängnistore endgültig geöffnet.

Während des 2.Weltkriegs wurde die Gegend um Schlüsselburg 16 Monate belagert. Die Festung hielt stand und verhinderte, dass Leningrad total eingekesselt wurde. Dadurch konnte die Versorgung des belagerten Leningrads mit Lebensmitteln und Medikamenten aufrechterhalten werden. Durch Artilleriefeuer und Bomben wurde Schlüsselburg so stark beschädigt, dass sie heute nur noch eine Ruine ist.Seit 1965 ist die Festung Filiale des historischen Museums in St.Petersburg.

Der Ladoga - See
....ist der größte Süßwassersee Europas und der zweitgrößte nach dem Baikalsee in Russland. Der Ladoga-See ist 219 km lang, 130 km breit und hat die Gesamtfläche von 18.100 km2. Das bedeutet, dass dieser See 34 mal so groß wie der Bodensee ist. Die mittlere Tiefe liegt bei 51 m, maximal werden 225 m im nördlichen Teil des Sees erreicht. Der südliche Teil ist der flachere. Der See liegt 4 m ü.M. und stellt den Rest einer eiszeitlichen Verbindung von Weißem Meer zur Ostsee dar. Wahrend sich das Oberflächenwasser im Sommer auf 24 Grad erwärmt, steigt die Temperatur in der Tiefe nicht über 4 Grad. Im Frühjahr erwärmen sich die enormen Wassermassen nur sehr langsam, um sich im Herbst ebenso langsam abzukühlen. Deshalb friert auch der See nicht in jedem Jahr komplett zu.

Der Ladoga-See wird von 30 Zuflüssen gespeist. Die Newa ist der einzige Fluß, der dem Ladoga-See entspringt. Zur Orientierung der Schiffe auf dem See dienen hauptsächlich 7 Leuchttürme, von denen einige 70 m hoch sind. Einer davon ist ist der Ossinowezkij-Leuchtturm im Westen des Sees. Hier begann im Zweiten Weltkrieg die „Straße des Lebens", über die das während des Krieges belagerte Leningrad per Luft und Wasser versorgt wurde. Der Ladogasee wurde während der 900 Tage deutschen Belagerung zur lebensrettenden Hoffnung für viele.Auch heute ist der Ladoga-See von unschätzbarer Bedeutung für die Millionenstadt. Er sichert die Wasserversorgung von Sankt-Petersburg. Im Ladoga-See navigieren die Schiffe unter Meeresbedingungen. Das mag gefährlich klingen, doch ist die Überfahrt normalerweise recht glatt.

Der Fluss Swir

Der Fluß Swir stellt die Verbindung zwischen den beiden großen nordrussischen Seen dar: er ist 218 km lang, fließt in den Ladoga-See und überwindet einen Höhenunterschied von 28,5m. Durch den Bau der beiden Wasserkraftwerke unterteilt sich der Fluß in einzelne Abschnitte: Obere Swir 93 km, Mittlere Swir 45 km und Untere Swir 80 km. Die Breite beträgt zwischen 100 m in der Nähe von der Stadt Podporoschje und 10-12 km im Iwinsker Becken. Die Ufer sind meist bewaldet. Auf seinem Weg nimmt die Swir ca. 30 Nebenflüße auf, es gibt 13 kleine Inseln.Die Swir ist von Anfang Dezember bis Ende April zugefrofen, so daβ die Navigationsperiode recht lang ist.Seit dem XII. Jh gehörte das Land zwischen dem Onega-See und dem Ladoga-See dem Nowgoroder Staat und seit dem XV. Jh dem russischen Reich. In den XVII.-XIX. Jh lag diese Gegend abseits von den wirtschaftlichen und kulturellen Zentren und wurde hauptsächlich als Verbannungsort benutzt.

Während des II. Weltkrieges verlief an der Swir die Frontlinie. Hier wurden im September 1941 die finnischen Truppen zum Stehen gebracht.

Der Fluß ist landschaftlich sehr reizvoll. Die Fahrt auf der Swir dauert etwa 12 Stunden, wobei 2 Mal geschleust wird. An der Swir liegen viele typische nordrussische Dörfer, wo alles aus Holz gebaut wurde. Die Bauern des russischen Nordens beherrschten meisterhaft die Holzbaukunst. Ohne Säge und Nägel, nur mit der Axt verstanden sie ihre Häuser zu bauen.

Vor dem Bau der beiden Swir-Schleusen war der Fluß wasserreich, voller Stromschnellen, Felsblöcke und Windungen. Die Fließgeschwindigkeit betrug 10-12 km/h. Nicht ohne Grund hatte sich die Treidelschifffahrt an der Swir bis in das XX. Jh. erhalten. Die Schiffe konnten den stürmischhen Fluß nicht ohne fremde Hilfe passieren.

Über Herkunft des Namens „Swir" ist man nicht einig. Einerseits bedeutet dieses Wort – „tiefes Wasser", andererseits, hat der Fluß seinen Namen von den Nowgorodern bekommen – „swerlitj" – d.h. „bohren" und könnte bedeuten, dass sich der Fluß durch die angrenzende Hügelkette „gebohrt" hat.

Die Mündung der Swir in den Ladoga-See ist nicht genau einzugrenzen wegen der großen Breite von 700 m, die durch eine andere Flußmündung (Pascha) hervorgerufen wird. Das gesamte Gebiet ist zuzüglich weiterer 40 000 Hektar entlang des Flusses, ein Nationalpark und Heimat von Elchen, Bären, Luchsen und zahlreichen Wasservögeln. Die Fauna des Nordens ist durch 244 Tierarten vertreten. Zwei der grössten Inseln, die das Schiff passiert, sind Olenij und Lissij oder „Hirsch- und Fuchsinsel".

Am Fluß Pascha (247 km), einem der wichtigsten Nebenflüβe der Swir, erstreckt sich über 8 Inseln die Siedlung Swiriza. Als Strassen dienen hier Kanäle und alle Häuser stehen auf hohen Pfeilern. Dieser im XIII Jh. für Nowgorod wichtige Handelshafen ist heute Heimatort für Seeleute und Arbeiter aus der Holzindustrie.

Bei der Ortschaft Swiriza beginnen der Neue und der Alte Ladoga-Kanäle, die die Swir mit dem Wolchow und der Newa verbinden. Der im XIX. Jh. gebaute und 169 km lange Neue-Swir-Kanal bildet zusammen mit dem Neu-Ladoga-Kanal die zweite südöstliche Umgehung des Ladoga-Sees. Der neue Kanal ist 1,95 m tief und ist nur von Flößen und kleinen Schiffen zu befahren.

Am Ufer von Swir liegt die Stadt Lodejnoje Pole. Der Name der Stadt bedeutet "Schiffsfeld", da Peter der Grosse hier 1702 eine grosse Werft bauen liess. Peter rief seine befreundeten holländischen Schiffsbauer sowie Handwerker aus ganz Russland zusammen, um seine hölzerne Segelflotte hier zu bauen. Peters rechte Hand, Alexander Menschikow, überwachte die Arbeit persönlich und Peter selbst kam oft vorbei, um seinen Expertenrat zu geben. In der Werft, die bis weit ins XIX. Jahrhundert hinein arbeitete, wurden ungefähr 450 Schiffe aus den örtlichen Holzbeständen gebaut. Hier wurde auch das Schiff „Mirnij" (d.h. „friedliche") gebaut, mit dem eine russische Expedition die Welt umsegelte und 1820 die Antarktis entdeckte. Die Bezierksstadt Lodejnoje Pole ist ein Verkehrsknotenpunkt, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum.
 
Die hydrotechnischen Anlagen der Unteren Swir
...haben eine ausgedehnte Baugeschichte. Schon lange vor der Oktoberrevolution dachte man daran, die schlechten Navigationsmölichkeiten zu verbessern und gleichzeitig Strom zu erzeugen. Die Planung schon war sehr aufwendig, da die Staumauer auf weichem Grund errichtet werden mußte.

Man begann den Bau des Wasserkraftwerks 1927 in 18 km Entfernung von Lodejnoje Pole inmitten unberührter Natur. Ohne den Einsatz von heute üblicher Technik wurden 5,5 Mio m3 Erdreich von 15 000 Arbeitern bewegt, 500 000 m3 Beton verarbeitet. 1935 ging das Wasserkraftwerk ans Netz. Im Krieg war das Werk besetzt und zerstört worden. Es wurde wiederaufgebaut und verbessert, ebenso wie die Schleuse, die die neuen Tore mit einem Gewicht von 320 t erhielt. Bei den Arbeiten wurden vor allem Häftlinge und Kriegsgefangene eingesetzt.

Das Untere-Swir-Wasserkraftwerk hat 4 Agregate. Sein Staudamm ist 30 m hoch und 1,5 km lang. Den zentralen Teil bildet eine Stahlbetonkonstruktion, die beiden Dammflügel sind geschüttet. Wegen des weichen Untergrundes erhielt die Mauer eine bestimmte geneigte Lage gegen die Strömung. Im Jahr werden 515 Mio Kilowatt Strom erzeugt.

In der Schleuse wird ein Höhenunterschied von 12 m überwunden, unser Schiff wird auf 12 m hochgebracht. Das ist die erste von vielen Schleusen auf unserem Wege. Die Schleusekammer ist 200 m lang und 21,5 m breit. Durch die Füllkanäle und Füllöffnungen in der Kammersohle können in weniger als 10 Min. die Schiffe geschleust werden. In der Navigationsperiode passieren ca. 10 000 Schiffe die Anlagen. Über die Schleuse führt eine Drehebrücke. Dadurch ist die Durchfahrtshöhe der Schiffe nicht limitiert.

Der Bau der hydrotechnischen Anlagen hat den Fluß verändert. Er ist auf 10 km gestaut und anderthalb mal breiter geworden. Die Fließgeschwindigkeit hat sich stark verlangsamt.

Mandrogy
Ein besonders malerischer Ort an der Swir war unser nächster Halt. Die natürliche Schönheit dieser Gegend harmoniert mit den von Menschenhand geschaffenen und mit wunderbaren Schnitzereien verzierten Holzhäusern. Jedes Haus ist ein Meisterwerk und fasziniert durch sein prachtvolles Design, sei es ein Hotel, Restaurant oder Haus der Künstler, wo man Handwerker bei ihrer Arbeit sehen kann. Honig-Museum, Brot-Museum, Wodka-Museum laden zu einem Besuch ein.


Nach Mandrogy

Der Ort Waschiny ist ein Zentrum der Holzindustrie mit einem grossen Kies- und Schotterwerk. Im letzten Jahrhundert war Waschiny aufgrund seiner Handelsschiffe eines der reichsten Dörfer an der Swir.

Die Geschichte des Dorfes Nikolski ist wie vieler anderer in dieser Gegend mit Peter I. verbunden. Hier wurde Zubehör für die Werft in der Stadt Lodejnoje Pole hergestellt. Nikolski wurde von Peter I. gegründet, der hier Moskaudeutsche ansiedelte, um Ketten und Anker giessen zu lassen für seine Holzschiffe, die weiter flussabwärts in Lodejnoje Pole gebaut wirden. 1945 wurde hier auch eineSchiffswerft gebaut. Diese stellt nun Motorboote, Docks und Lastkräne her.Am Fluβ Swir liegt eine groβe Stadt –

Hinter Podporoje befindet sich die zweite Schleuse mit dem Ober-Swir-Wasserkraftwerk. Die Distanz zwischen den ersten zwei Schleusen beträgt 43 km. Das Wasserkraftwerk liegt inmitten von Schiffswerften, Holzstapelplätzen und Frachthäfen. Es gibt einige besondere Dinge in der und um die Schleuse herum zu sehen. Auf den Türmen befinden sich die Relieftafeln, die den Bau der Schleusen darstellen. Die unteren Türme werden von gipsernen Hammer- und Sichel-Skulpturen gekrönt, auf denen eiserne Nachbildungen verschiedener Schiffe stehen. Die 4 Modelle sollen die Geschichte der Schifffahrt darstellen: ein Segelboot, eine Galeere, ein Dampfschiff und ein Motorschiff.

Die Einkammerschleuse des Wasserkraftwerks, in der eine wetere Hebung um 14 m erfolgt, ist 281 m lang, 21,5 m breit und 4,5 m tief. Der Bau der Anlage bagann in Jahre 1932, wurde durch den Krieg unterbrochen und erst 1951 abgeschlossen.

Die Leistung des Wasserkraftwerkes beträgt 16 000 Kilowatt. Auf dem Damm, auf der Höhe von 30 m liegt eine Autostrasse, die St.Petersburg mit Karelien verbindet. 

Ab hier wird die Swir bis zum Onega-See gestaut, wodurch sich der Wasserspiegel teilweise über 1 m erhöht hat. Der Fluβ weitet sich zum Iwinsker Becken Auf der Strecke zum Iwinsker Becken hin befanden sich früher die berüchtigten Stromschnellen der Swir. Hier fuhren die Schiffe ca. 90 km nur einzeln. An den Ufern gibt es keine größeren Ortschaften. Das ist dadurch zu erklären, dass sich der Wasserspiegel durch den Bau der Oberen-Swir-Stauanlagen gehoben hat und die dort gelegenen Dörfer in das Landinnere verlegt worden sind. Der Iwinsker Becken liegt in einem eiszeitlichen Talkessel. Dieser künstlich angelegte See hat eine Fläche von 117 km2.

Die Swir erreicht bei der Stadt Wosnesenje den Onegasee. Die Stadt Wosnesenje wurde nach dem Himmelfahrtskloster benannt, das hier ca. 200 Jahre lang nach seiner Gründung im XVI. Jh. stand. Mit der Eröffnung des Onega-Umgehungskanals im XIX Jh. wurde die Stadt recht groß, so dass sie heute beide Seiten des Ufers bedeckt. Podporoje. Im Jahre 1709 lieβ Peter I. die erfahrenen lotsen hierher übersiedeln, die die Schiffe durch die Stromschnellen bringen sollten. Sie nannten ihre Siedlung Podporoje (an den Stromschnellen). Vor dem II. Weltkrieg war Podporoje, das sich jetzt auf den beiden Uferseiten erstreckt, ein kleines Dorf. Es war 3 Jahre während des Krieges von den Deutschen besetzt. Da stehen viele Kriegsdenkmäler. Podporoje wurde während des Baus des Oberen-Swir-Wasserkraftwerks zu einer wichtigen Siedlung. Heute ist sie ein Industriestandort und Hauptquartier der Navigationsabfertigung der Swir. Hier giebt es über 20 Betriebe.

Der Onega-See
Der Onega-See ist der zweitgrößte Süßwassersee in Europa (nach dem Ladoga-See).

Die nördlichen Ufer vom See bilden die mit Nadelwald bedeckten Felsen. An den südlichen Ufern kann man vorwiegend Laubwald sehen: Linden, Ulmen, karelische Birken. Hier gibt es viel Wild: Bären, Wölfe, Luxe, Marder, Füchse und in den Ufergebieten – viel Geflügel. Der See ist fischreich, hier gibt es 34 Fischarten.

Der See friert im November zu und taut im Mai auf. Das Wetter ist hier sehr unberechenbar. Bald herrscht hier die feuchte, warme Luft vom Baltikum, bald – der kalte Wind von der Arktika, bald – die trockenen Luftmassen vom Süd-Osten. Bei dem stürmischen Wind sind die Wellen bis 5 m hoch.

Das Wasser des Sees ist einzigartig: so dunkel wie es ist, scheint es undurchsichtig. Von der chemischen Zusammensetzung her gleicht es jedoch fast distilliertem Wasser: in einem Liter sind nur 35 mg Salze erhalten, das sind anderthalb mal weniger als im Ladoga-See, dreimal weniger als in dem für seine Reinheit bekannten Baikalsee in Sibirien und tausendmal weniger als im Meereswasser.

Der Onega-See wird durch den Fluß Swir mit dem Ladoga-See verbunden. Der Ladoga-See liegt 28 m tiefer als der Onega-See, durch den Wasserniveauunterschied wird Elektroenergie von zwei Kraftwerken erzeugt.

Die Menschen lebten am Onega-See seit der Steinzeit. Hier hat man Felsenzeichnungen gefunden, die Ende des 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung entstanden sind.

Im 18. Jh, in der Regierungszeit von Peter. I. wurden hier Eisenerze gefunden. Außerdem werden in den Steingruben verschiedene wertvolle Steinarten gewonnen, die als Verkleidundungsmaterial verwendet werden.

Das Reichtum an Wald war die Grundlage für die Entwicklung der Zellstoffindustrie. Dementsprechend ist hier das Problem der Verschmutzung des Seewassers sehr akut. Die Fläche beträgt etwa 9700 km2, die Länge – 250 km, die Breite – 80 km, die Tiefe – bis 127 m, der Wasserumfang – 280 mlrd m3. Im nördlichen Teil des Sees gibt es eine Menge von kleinen Inseln – gegen 1650, mit der Gesamtfläche von 250 km2. Der See wird von 40 Flüssen gespeist, und dem See entspringt nur ein Fluss – die Swir.  

Karelien- Russlands Norden

 Karelien ist innerhalb des russischen Staates mit nur 172 400 qkm eher relativ klein und doch etwa doppelt so gross wie die Republik Österreich, dabei aber nur mit knapp 1 Million Menschen sehr dünn besiedelt. Russisch-Karelien liegt zwischen dem Onega-See im Süden und der Halbinsel Kola nahe am Polarkreis im Norden. Im Westen wird es von Finnland auf einer Länge von 700 km und im Osten größtenteils vom Weißen Meer begrenzt.

Karelien ist das Land der Wälder und Seen, denn die Hälfte des Territoriums ist bewaldet und mehr als 44 000 Seen bedecken weitere 20% des Gebiets. Hier verläuft der Gürtel der Taiga, jene endlose Landschaft, in der Elche, Bären und Luchse zu Hause sind.

Das Klima in Karelien ist gemäßigt kontinental, mit einem langen, aber relativ milden Winter und einem kurzen warmen Sommer. Die Durchschnittstemperaturen liegen im Januar bei –120C, im Juli zwischen 14 und 180C. Im Juni beginnen in Karelien die weißen Nächte, die etwa einen Monat andauern.

Im wald- und wasserreichen Karelien sind die wichtigsten Produktionszweige die Holzwirtschaft und die Kraftwerke. Die Holz- und Papierindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Rußland. Über ein Zehntel der Zellulose und über ein Siebtel des Papiers stammen aus Karelien. Früher war hier die Fertigung von Möbeln ein besonderer Wirtschaftszweig.

In Karelien gibt es einen ganz besonderen Baum – die karelische Birke. Diese Birke verzichtet auf jegliche Schönheit, aber ihr Holz ist ungemein hart. Die Jahresringe haben unregelmäßige Abstände und zeigen eigentümlich verschnörkelte Muster, die ein ungewöhnliches Bild ergeben. Sie ist heute äußerst selten und braucht viele Jahrzehnte, bis aus ihr ein Bäumchen wird. Deswegen ist diese Birke so kostbar. In früheren Zeiten wurden ganze Möbelstücke daraus hergestellt, die so teuer kamen, dass nur die Reichsten sie sich leisten konnten. Heute werden daraus Anhänger, Armbänder und andere Schmuckgegenstände gemacht, die auch nicht billig sind.

Die nationale Minderheit der Karelier durchlebte auf dem Landstrich zwischen Ostsee und Onegasee eine wechselvolle Geschichte. Immer wieder schoben sich die Grenzen hin und her.

Allein in diesem Jahrhundert gab es 1923 die Karelische Autonome Republik, dann 1940 unter Erweiterung eines von Finnland abgetretenen Bezirks die Karelo-Finnische Bundesrepublik. 1941 war das Gebiet unter finnischer Besatzung, bis dann 1956 abermals die Karelische Autonome Republik als Teil der russischen Bundesrepublik entstand.

Unter der fast eine Million zählenden Bevölkerung der Republik ist heute die Mehrheit russisch: Es gibt nur 80 000 Karelier, von denen weniger als die Hälfte ihre Muttersprache beherrscht.

Die Karelier leben heute hauptsächlich in einigen ländlichen Bezirken im Süden und Nordwesten in ziemlich homogenen Gruppen. Mehr als doppelt so viele Karelier leben heute in Finnland, wohin sie größtenteils in den 30-er und 40-er Jahren geflüchtet sind.

Dieses vergessene Land bewahrte über die Zeit hinweg uralte Traditionen, Märchen, Volkslieder und Bräuche. Als Ethnographen und Künstler im ausgehenden 19. Jh. den Norden wiederentdeckten, fanden sie eine Gesellschaft vor, die in der Vergangenheit lebte. Komponisten wie Balakirew und Rimskij-Korsakow verarbeiteten die Melodien der hiesigen Volkslieder in ihren Kompositionen.

Den ehemaligen Wohlstand und die hohe Kultur im Norden dokumentieren die über 1 500 Geschichts- und Kulturdenkmäler, darunter unschätzbare Werke der Holzarchitektur.

Die Insel Kischi
Die größte und bekannteste Insel des Onegasees ist Kischi. Bereits im 11. Jh. soll die knapp 6 km lange und kaum 1 km breite, leicht hügelige Insel besiedelt worden sein. Insbesondere durch den Zuzug während der mongolisch-tatarischen Besatzung zwischen dem XIII. und XVI. Jh. wurden hier viele kleine Dörfer gegründet.

Der Onegasee gehörte damals zum Territorium von Nowgorod, das von den Mongolen verschont blieb. Mitte des XIV. Jh. war Kischi das Verwaltungszentrum eines Gebiets, das etwa 130 Dörfer entlang des Onegasees und auf den mehr als 1600 Inseln umfaßte.

Im XVII. Jh. gehörte Kischi zur nördlichen Verteidigungslinie gegen die Schweden. Der hölzerne Verteidigungswall, der auch heute noch teilweise steht, wurde in jener Zeit errichtet. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde die Insel Heimat von geflohenen Leibeigenen und Verbannten.

Doch mit der Gründung von Petrosawodsk begann der Niedergang der Insel. Die arbeitsfähigen Männer wurden in die dortigen Waffenschmieden verpflichtet. Im XIX. Jh. fand zudem die Abwanderung vieler Handwerker nach St.Petersburg statt. Heute ist die Insel von nur noch wenigen Menschen ständig bewohnt. Da im Sommer eine Verbindung mit dem Tragflächenboot zum 70 km entfernten Petrosawodsk besteht, ist sie ein beliebtes Ausflugsziel.

Aus der Blütezeit der Insel stammen die einzigartigen Werke der Holzbaukunst, die heute zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen und die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Kareliens darstellen. Eine „Harmonie in Holz" wird den 82 verschiedenen Bauwerken bescheinigt, die seit 1966 in einem Freilichtmuseum vereint sind.

Die 33 Kuppeln der zwei Kirchen und des Glockenturms sind schon von weitem zu sehen. „So etwas gab es nie und wird es nie wieder geben", soll der Zimmermann nach der Fertigstellung der letzten Schindel für die Verklärungskirche gesagt und dabei seine Axt in den See geschleudert haben.

Die Christi-Verklärungs-Kirche wurde im 1714 errichtet. 30 000 Schindeln bedecken die 22 Kupeln der Sommerkirche. Diese 37 m hohe Kirche wurde ohne Nägel einer Legende zufolge von nur einem einzigen Mann mit nur einem Werkzeug, der Axt, erbaut.

Anfang 1960 wurden weitere typische Beispiele der traditionellen Holzarchitektur wie Kapellen, Bauernhäuser, Scheunen und Mühlen von anderen Inseln und aus Dörfern am Onegasee nach Kischi gebracht. Eine besondere Bedeutung hat die kleine einkupplige Heilige-Lazarus-Kirche, die als älteste Holzkirche Rußlands angesehen wird.

Der Besuch dieser Museumsinsel ist ein Muß in der touristischen Landkarte Rußlands. Tausende Menschen aus allen Ländern kommen hierher um die Schönheit und Großartigkeit dieser Insel zu bewundern.

Die Maria-Schutz- und Fürbitte-Kirche wurde als Winterkirche im Jahre 1764 errichtet. Sie wird von 9 Kuppeln und einer Altarkuppel geschmückt. Der von 1874 stammende Glockenturm wurde ebenfalls mit einfachsten Schreinerwerkzeugen zusammengesetzt und steht harmonisch zwischen den beiden Kirchen.

Vom Onega-See zum Weißen See 

Nach dem Verlassen des Onega-Sees befinden wir uns zuerst auf dem Fluß Wytegra und dann auf dem Wytegra-Kanal.

Zwischen dem Weissen See und dem Onega-See flossen ehemals 2 Flüsse: die Kowscha nach Süden und die Wytegra nach Norden zum Onega-See.1810 wurden der Onegasee und der Fluß Kowscha erstmals durch einen Kanal verbunden, zuvor mußten alle Waren auf dem Landweg transportiert werden. Aber mit der Zeit verlor dieser alte Kanal seine Bedeutung, er entsprach nicht mehr den wachsenden Anforderungen des XX.Jh. und 1964 wurde dann der Wolga-Ostsee-Kanal fertig gestellt. Er ist 360 km lang und führt vom Onegasee bis zur oberen Wolga und ist ein Teilstück des Wolga-Ostsee-Wasserweges. Zu dem Kanal gehören:

- 7 Schleusen
- 3 Waserkarftwerke
- 5 Wasserableitungsbauwerke
- 11 Anleger
- 4 Stauseen

Die 7 Schleusen des Kanals ersetzen die 39 alten des Mariensystems, von denen 34 aus Holz gebaut waren, und die jetzigen sind nach dem damaligen letzten Stand der Technik errichtet..

Die 6 Schleusen davon sind ein Teil des Verbindungskanals zwischen Kowscha und Wytegra. Dieser Kanal überwindet die Wasserscheide zwischen den beiden Flußen und verbindet somit Wolgabecken mit Ostseebecken.

Der Verbindungskanal bedarf wegen seiner geringen Breite und der Gewundenheit der Streckenführung ständiger Überwachung und Unterhaltungsarbeiten. In diesem Abschnitt werden das ganze Jahr hindurch Baggerarbeiten in der Fahrrinne durchgeführt.

In der Nacht passierten wir das Dorf Rubesch. Der Name kann als Grenze übersetzt werden. Dieses Dorf wurde so aufgrund der Nähe zur unsichtbaren Grenze zwischen dem Ostsee- und Wolgabecken genannt. Bei Rubesch wird dann die Wasserscheide erreicht, d.h. ab hier münden alle Flüße in den Süden. Darunter auch Kowscha, über die man in den Weißen See gelangt.

Der Fluß Wytegra - Die Schleusen des Verbindungskanals

Das Schiff durchfährt Schleuse 1 am Wasserkraftwerk Wytegra, welches 1961 eröffnet wurde. Die Schleuse 1 liegt inmitten der Stadt Wytegra. Hierher brachte man nach Abschluß der Bauarbeiten den Obelisk, der am Ufer des Neuen Kanals aufgestellt worden war. Die Schleuse ist 270 m lang, 4,1 m tief und 17,8 m breit, wobei die Breite des Schiffes 16,7 m beträgt. Der Bau der Schleuse machte den Aushieb von 2 Mio m3 Erden notwendig, sowie das Gießen von 100 000 m3 Beton. Die gesamte Schleusenkammer wurde neben der alten hölzernen Marienschleuse gebaut, die sie schließlich ersetzte. In der Stadt ist die alte Holzschleuse mitsamt ihrer Schleusenstation ausgestellt. Die Kuppeln, die in der Stadt zu sehen sind, gehören zur Marienskathedrale, die auf dem Roten Hügel steht. Bereits im XV. Jh. gab es hier eine Siedlung, deren Einwohner Gütertransport vom Onega-See zur Kowscha betrieben. In der ersten Hälfte des XIX. Jh. war Wytegra als Haupthafen entlang des neu vergrößerten Mariensystems ein wichtiges Provinzzentrum. In der zweiten Hälfte des XIX, Jh. wurde jedoch eine Eisenbahnlinie gebaut, das Mariensystem verlor ihre Bedeutung und die Stadt verfiel.

In den 60-er Jahren des XX. Jh. gewann die Stadt etwas von ihrer Wichtigkeit zurück, als das Wasserkraftwerk Wytegra eröffnet wurde.

Das zwischen Schleuse 1 und 2 befahrene Becken ist der Wytegra-Stausee, der mehrere Schleusen des alten Mariensystems bedeckt, die nun ca. 13 Meter tief unter Wasser liegen.

Die Holzhäuser auf einer Halbinsel vor der Schleuse 2 gehören zum Dorf Anchimowo. Da kann man eine bescheidene, fünfkuppelige, verfallene Kirche des Erlösers sehen, die 1780 erbaut wurde. Links von ihr stehen die Kapelle und die Grabstätte eines Händlers aus Wytegra aus dem XIX. Jahrhundert. Zwischen Kirche und Kapelle -heute leider nicht mehr zu bewundern - ist die vieltürmige hölzerne Fürbittenkirche, die der atemberaubenden Verklärungskathedrale auf der Insel Kischi sehr ähnlich gewesen sein soll. Gerüchtehalber wurde sie 1708 tatsächlich von demselben Meister errichtet, der 6 Jahre später das Architekturwunder auf Kischi schuf. Die hiesige Kirche brannte 1963 ab.

Nach der Schleuse 2 kann man eine Skulptur sehen. Eine Frau mit einem Kind an der Hand. Sie verkörpert Millionen von Frauen, die ihre Söhne, Männer und Brüder in den Krieg ziehen sahen.

Weiter kommt das Nowinkinsker Wasserkraftwerk, das aus 3 separaten Schleusen: 3,4,5 besteht. Sie bilden eine sog. Schleusentreppe. Der Grund für die Akkumulation von Schleusen ist das starke Gefälle, das die Wytegra hier hatte. Die Gesamtänderung des Wasserstandes beträgt 38 m. Unser Schiff wird gehoben. Abgesehen von einigen Zentimetern sind alle 3 Schleusen gleich groß: sie sind 264 m lang, 17,5 m breit und 4,4 m hoch.

Zwischen den Schleusen 5 und 6 befährt das Schiff den Nowinkinsker Stausee. Die wichtigste Siedlung hier ist das Dorf Dewjatiny. Seine hölzerne Himmelfahrtskirche mit 5 Kuppeln wurde 1770 erbaut. Die Ikonen aus dieser Kirche befinden sich im Russischen Museum in St.Petersburg.

Zur Zeiten, als das alte Mariensystem im Gebrauch war, verdienten die Leute in Dewjatiny sich ihren Lebensunterhalt damit, Schiffspassagiere per Pferd in die naheliegende Stadt Wytegra zu bringen. Offenbar brauchten die Schiffe so lange zum Passieren der alten Holzschleusen, dass einige Passagiere einfach vom Bord gingen, um Pilze und Beeren zu suchen. Die Siedlung ist während der letzten Jahrzehnte deutlich größer geworden, da die Familien von tiefer liegenden Gebieten herzogen, deren Dörfer nach dem Bau der Wasserkraftwerken überschwemmt worden waren.

Die Schleuse 6 am Pachomowsker Wasserkraftwerk ist die letzte Schleuse des nördlichen Teils des Wolga-Ostsee-Kanals. Hier befindet sich das Schiff 80 m über dem Onegasee und 112m über St.Petersburg. Sie ist 265 m lang, 17,7 m breit und 5,3 m hoch.Die Schleuse 2 am Belousowsker Wasserkraftwerk wurde zusammen mit der 1. Schleuse 1961 eröffnet. Die Schleise ist 270 m lang, 17,7 m breit und 4,4 m hoch. Schleusenbegeisterte kann es interessieren, dass diese Schleuse sich durch ihre besondere Kammer auszeichnet. Anstatt durch unterirdische Stollen wird sie durch Löcher am Oberen Tor be- und entwässert.ist 64 km lang, entspringt dem Matko-See und fließt in den Onega-See. Auf dem Fluß fahren wir ungefähr eine Stunde und dann erreichen wir den Verbindungskanal oder den Wytegra-Kanal, der die Flüsse Wytegra und Kowscha verbindet.

Geschichte des Baus
Die größten Ströme Rußlands wurden von Alters her als Wasserwege genutzt. Die „Vernetzung" der Flüsse zu einem zusammenhängenden System, wurde im Laufe von 250 Jahren realisiert. Man versuchte in der Petrinischen Epoche, den Moskwa-Fluß mit der Oberen Wolga, die Wolga mit der Ostsee und dem Don zu verbinden

Die Entwicklung der künstlichen Wasserwege in Rußlands Norden und Nordwesten ist eng mit der Gründung von St.Petersburg im Jahre 1703 verbunden. Es wurden verschiedene Wasserwege und Kanäle angelegt. Das vollkommenste davon war das Mariensystem, das ab 1810 befahrbar war und den Namen der Zarin Maria Fjodorowna trug.

Der Plan Peters des Großen, die Fluße Kowscha und Wytegra mittels eines Kanals zu verbinden, wurde erst Ende des 18.Jh. in die Tat umgesetzt, da lange Zeit nicht die entsprechenden Geldmittel bereitgestellt wurden.

1801 – 1808 dauerte der Bau von 8 Schleusen an der Wytegra und dem Verbindungskanal. Der neue Schifffahrtsweg wurde schnell zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für den Wassertransport (Getreide, Mehl) nach Norden. Während des gesamten 19. Jh. wurde das Mariensystem verbessert und ausgebaut. Flußwindungen wurden begradigt, die Wassertiefe vergrößert, neue Schleusen gebaut.

1890 begannen Bauarbeiten zur grundlegenden Renovierung des Mariensystems, die 10 Jahre dauerten. Während dieser Zeit wurde der neue Marienkanal gebaut und alle Schleusen vergrößert, die dadurch für Schiffe bis zu 75 m Länge befahrbar wurden. Nach Abschluß der Bauarbeiten brauchte man nur noch 60 Tage von Rybinsk nach St.Petersburg.

Der Bau der beiden Schleusen am Fluß Swir (1933 und 1952) verbesserte die Navigation, dennoch blieb eine weitere Rekonstruktion unausweichlich für die Anforderungen des 20. Jh. Der zweite Weltkrieg unterbrach die Bauarbeiten, die dann von den Bauleuten des eben beendeten Wolga-Don-Kanals wieder auf genommen wurden.

Im Herbst 1964 wurde der Wolga-Ostsee-Wasserweg von der Staatlichen Kommission abgenommen. Er gewährleistet die durchgängige Fahrt bis zu Finnischen Meeresbusen, auch für Schiffe des „Fluß-Meer-Typs". Dieser Schiffstyp befördert Waren von Flußhäfen zu über 20 Ländern Europas, Asien und Afrikas ohne Umladen. Der Einsatz von modernen Eisbrechern und die Modernisierung der Binnenflotte haben die Navigationszeit auf den Flußen bis auf 250 Tage im Jahr verlängert.


 Goritzy 

Am rechten Ufer der Scheksna liegt das Dorf Goritzy mit 600 Einwohnern. In Goritzy befindet sich das ehemalige Frauenkloster „Christi Auferstehung".

Das Kloster wurde1544 von der Moskauer Fürstin Jefrosinja Starizkaja gegründet. Jefrosinja stand im Bunde mit jener Gruppe von Bojaren, die sich gegen den regierenden Zaren Iwan den Schrecklichen zusammengeschlossen hatten. Das Ziel der Verschwörer war es, den Zaren zu ermorden und an seiner Stelle, Jefrosinjas Sohn Wladimir den Thron besteigen zu lassen. 1563 entdeckte Ivan den Plan, und es rollten Köpfe. Jefrosinja wurde ins Kloster, das sie selbst gegründet hatte, verbannt, und wurde gezwungen, sich dort unter dem Namen Jevdokija einsperren zu lassen. Ihr Sohn Wladimir wurde in Moskau hingerichtet.

Jefrosinja, der schwante, dass ihr Exil eine Weile dauern würde, nahm ihre Diener und ihr Stickzeug mit ins Kloster. (Einige der Decken, die sie dort stickte, werden wir im Kirillower Museum sehen). Das Klosterleben wurde ihr aber trotzdem schnell langweilig, und sie begann fortwährend bei Iwan dem Schrecklichen um ihre Begnadigung und Freilassung zu ersuchen. Aber Iwan ließ entnervt sie in der Scheksna ertränken.

Das Nonnenkloster von Goritzy war noch lange Zeit Verbannungsort und Zufluchtsstätte für die in Ungnade gefallenen weiblichen Angehörigen der Zaren- und Bojarenfamilien. So lebte danach die vierte Frau Iwan des Schrecklichen ebenso als Nonne im Kloster, wie später auch seine letzte Frau Marija Nagaja. Das Kloster beherbergte seitdem zusätzlich zu seiner regulären Schwesterschaft permanent zwischen 50 und 500 verbannte Frauen.Zu den verfallenen, aber immer noch stehenden Gebäuden im Klosterkomplex gehören 3 Kirchen:die Auferstehungskathedrale, die 1544 von örtlichen Meistern erbaut wurde,
die heilige-Dmitrij-Kapelle mit ihrem Glockenturm, beide aus dem frühen 17. Jh. Die Kirche wurde für das Geld der 5. Frau Iwans des Schrecklichen Maria Nagaja zum Andenken an ihren Sohn Dimitri gebaut, der 1591 in Uglitsch ermordet worden war.

Das 3. Gebäude ist die Dreifaltigkeitskathedrale aus dem frühen 19. Jh, die zur selben Zeit wie die Steinmauern, die das Kloster umgeben, erbaut worden war.

Von Goritzy aus wird man per Bus nach Kirillow gebracht, eine 7 km entfernte Stadt. In Kirillow steht eines der berühmtesten Klöster Rußlands, das Kloster vom heiligen Kirill, heute ein Museum.

Kloster Kirillow 

Vom Anleger in Gorizy fährt man etwa 7 km am Berg Maura (185 m) vorbei in südöstlicher Richtung nach Kirillow. Das Beloserskij Kirillow-Kloster wurde 1397 von einem Mönch aus dem Moskauer Simonow-Kloster gegründet: Kirill. Es entwickelte sich ständig und wurde im 16. Jh zum größten feudalen kulturellen Zentrum des Gebiets: es gab eine bedeutende Bibliothek, es arbeiteten Maler, Holzschnitzer, Silberschmiede, es entwickelte sich eine eigene Schule des Chorgesanges.

Der älteste Teil des Klosters liegt am Siwerski-See und umfaßt die Mariä-Himmelfahrtskathedrale (1497) und das kleine Iwanowski Kloster. Anfang des 17. Jh standen polnisch-litauschen Truppen vor den Toren des Klosters, die abgewehrt werden konnten. Mitte des 17. Jh kam vom Zaren Alexej Romanow der Erlaß, das Kloster noch besser zu befestigen. Die Bauarbeiten dauerten 30 Jahre und machten das Kloster zu einer der mächtigsten Festungen Rußlands.

Die Reformen Peters des Großen und Katharina der II beendeten die wirtschaftliche Vormachtstellung des Kirillow-Klosters. Schon am Anfang des 18. Jh hatte das Kloster keinerlei außergewöhnliche Bedeutung mehr. Es beherbergte aber weiterhin in seinen Mauern das Gefängnis, in dem abtrünnige Popen, aufständische Soldaten und politische Gefangene eingesperrt wurden.

1919 wurde das Kloster unter staatlichen Denkmalschutz gestellt, 1924 geschlossen und ein Heimatkundemuseum eingerichtet, das 1968 zu einem Bau- und Kunsthistorischen Museum erweitert wurde.Direkt bei der Ausfahrt aus dem See passiert das Schiff eine ehemalige Kirche, die einsam aus dem Wasser ragt. Die überflutete Krochino-Kirche aus dem XIX. Jh., offiziell Geburtskirche genannt, steht einsam im Wasser als Symbol einer versunkener Zeit. Im XV. Jh. suchte Fürst Gleb von Belosersk hier während eines Sturms Schutz und befahl danach, im Andenken an seinen Zufluchtsort hier eine Kirche zu bauen. Einige Jahre später baute er ein ganzes Kloster hinzu, diesmal aus Dankbarkeit dafür, dass sein blinder dreijähriger Sohn auf wunderbare Weise sein Augenlicht zurückgewonnen hatte. Das Kloster stand hier für über 500 Jahre.

Im Jahr 1673 wurde hier das Dorf Krochino gegründet, das ein wichtiger Hafen zum Weißen See wurde. Als jedoch 1846 der Kanal eröffnet wurde, fuhren die Schiffe am Dorf vorbei. So begann der Niedergang, und auch das Kloster litt unter Mißachtung. In den 60-er Jahren wurde das Dorf zwecks Erbauung des Scheksna-Wasserkraftwerks überflutet.

Die Krochino-Kirche markiert den Ursprung der Oberen Schksna. Durch Scheksna erreicht man das Dorf Goritzy, den Ausgangspunkt für eine Besichtigung der wichtigsten Klöster des Nordens.Dieser See befindet sich im westlichen Teil des Wologda Gebiets. Er hat eine fast runde Form. Die maximale Länge ist 46 km, Breite – 33 km, Tiefe – 6 m. Die Fläche beträgt 1220km2. In den See münden die Flüsse Kowscha, Kema, Megra und aus dem See fließt der Fluß Scheksna. Der See ist sehr fischreich. Hier gibt es Zander, Brassen, Sterlete und Stinte.

Der See hat einen unberechenbaren Charakter. Bei den nördlichen Winden wird der See stürmisch. Deswegen wurde 1843-1846 ein Umleitungskanal gebaut. Der Belosersker Kanal ist 67 km lang und führt im Westen um den Weißen See herum. Die heutige Nutzung dieses alten Kanals beschränkt sich auf Fischerboote, Lastkähne und örtliche Linienschiffe, da der Tiefgang nur 2 m beträgt.

Am linken Ufer des Weißen Sees, 15 km von dem Umleitungskanal entfernt, liegt die alte Stadt Belosersk, die 862 erstmal urkündlich erwähnt wurde. Diese Stadt war ein Bollwerk im Norden Rußlands.

Im XV. Jh wurden hier auf Erlaß von Jwan dem Dritten mächtige Erdbefestigungen errichtet. 1612 wurde die Stadt von den polnischen Eindringlingen zerstört. Bis heute sind aber in der Stadt viele architektonische Denkmäler erhalten geblieben, z.B. die Himmelfahrtskirche (1553), das Verklärungskloster (1668), die hölzerne Iliaskirche.

Heutzutage ist Belosersk eine Bezirkstadt des Gebiets Wologda. Die Stadt dient als Heimathafen für zahlreiche Schiffe und Tragflächenboote, und sie ist ein bedeutendes Zentrum des Fisch- und Nutzholzvertriebs.


Der Fluß Scheksna
Die Scheksna, die den Rybinsker Stausee und den Weißen Meer verbindet, gehört zum Wolga-Ostsee-Kanal und setzt sich aus 3 Teilen zusammen: der Oberen Scheksna, dem Scheksna-Staubecken und der unteren Scheksna. Die ersten beiden Teile sind vom dritten durch einen Damm am Scheksna-Wasserkraftwerk getrennt und werden oft gemeinsam als Scheksna-Staubecken bezeichnet. Der Name Scheksna ist vermutlich abgeleitet von einem finnischen Ausdruck, der „mit Riedgras bedeckter Nebenfluß" bedeutet. Seit den Tagen der Kiewer Rus, als tapfere bewaffnete Männer mit seinen Stromschnellen kämpften, spielt dieser Nebenfluß eine entscheidende Rolle in der Verbindung der nördlichen Landesteile mit der Wolga.

Der ursprüngliche Bau des Mariensystems ließ die Scheksna vollkommen intakt. Nachfolgende Ausbauten machten eine Begradigung des Flußbetts und den Bau eines Schleusennetzes notwendig. Der Bau des Wolga-Ostsee-Kanals schließlich brachte die wesentliche Verbreiterung und Vertiefung bestimmter Abschnitte wie auch den Bau eines Wasserkraftwerks mit sich. Riesige Waldgebiete wurden überflutet und stellen nun den Hauptteil der Uferlandschaft dar, besonders entlang des Staubeckens.

Die breiteste Stelle des Staubeckens ist die Sisma-Bucht. Sie ist 20 km lang und erreicht an einigen Stellen auch die gleiche Breite. Der Name kommt vom Fluss Sisma, der vom Osten in den Scheksnaer Stausee fliesst. Vor dem Bau des Wolga-Ostsee-Kanals befand sich gerade in diesem Abschnitt eine äusserst schwer zu befahrende Stelle. Pferde mussten bisweilen die Lastkähne durch die seichten Stromschnellen ziehen. Heute hat der Wasserweg eine Breite von über 80m und eine garantierte Tiefe von nicht weniger als 4m.Die Schleuse 7

Die Stadt, in der die Schleuse liegt, trägt den gleichen Namen wie der Fluss – Scheksna. Sie entstand in Jahre 1905 als Siedlung um einen Eisenbahnknotenpunkt herum. Bekannt wurde sie durch den Bau des benachbarten Wasserkraftwerks, und heute blühen hier verschiedene Industrien wie die Holzverarbeitung, Geflügelzucht und Butterherstellung. Die in Russland beliebte Buttersorte Wologda wird hier produziert. Hauptzweig der Industire ist jedoch der Anbau und die Verarbeitung von Flachs. An den Ufern am Rande der Scheksna liegen einige Erholungsanlagen wie Pionierlager und Sanatorien. gehört zum Scheksna-Wasserkraftwerk und markiert die Grenze zwischen dem relativ breiten Scheksna-Staubecken und der unteren Scheksna mit ihrem natürlichen und schmaleren Lauf. Diese Schleuse ist 265 m lang und 17,5 m breit. Die Nettoänderung des Wasserspiegels beträgt 13 Meter. Das ist die einzige Schleuse auf unserem Wege, wo das Schiff gesenkt wird. 

Rybinsker Stausee

Über Scheksna, die früher in die Wolga floß, erreicht man den Rybinsker Stausee. Er gehört zu 8 Stauseen des gewaltigen Wasserstraßensystems der Wolga und wird wegen seiner Größe auch Rybinsker Meer genannt.

Seinen Namen bekam Rybinsker Stausee von der Stadt Rybinsk, die abseits von unserem Weg liegt. Aus dem ehemaligen Fischerdorf im 12.Jh. wurde im 16. und 17. Jh. ein beliebter Handelsplatz. Weizen von der mittleren Wolga war damals das wichtigste Umschlagsgut, für das es sogar eine eigene „Brotbörse" gab. Die Güter wurden in Rybinsk auf kleinere Schiffe umgeladen, da die Wassertiefe zum Norden hin nicht ausreichend war. So wurden die Schiffe im 18. und 19. Jh. durch Treideln flußaufwärts bewegt. Rybinsk wurde zum Ziel vieler Tagelöhner, die hier auf die mühselige Arbeit des Flußtreidelns warteten. Welche unmenschlichen Anstrengungen die „Wolgatreidler" zu bewältigen hatten, ist heute kaum vorstellbar. Mehr als 600 000 Männer, Frauen und sogar Kinder sollten von dieser Arbeit noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts gelebt haben. Erst mit der Einführung der Dampfschiffahrt ab dem Jahre 1820 wurde diese harte Arbeit allmählich überflussig.

Dieser See ist mit einer Länge von mehr als 200 km und einer maximalen Breite von 60 km einer der grösten künstlich angelegten Gewässern der Welt. Mit einer Wasseroberfläche von 4 580 qkm ist er 8 Mal so groß wie der Bodensee. Insgesamt wird der Wasserstand der Wolga um 14 m gehoben, wobei die Schwankungen bis zu 5 m betragen können. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1941 dauerte es fast 6 Jahre, bis es durch die Wasser der Wolga und der Scheksna aufgefüllt war. Dabei wurden mehr als 600 Ortschaften überflutet.

Der Rybinsker Stausee wurde zur Drehscheibe zwischen dem Schwarzem, Asowschen und Kaspischen Meer im Süden und Ostsee, Weißem Meer und Barentssee im Norden. Seit seiner Fertigstellung können Schiffe ohne Umladung von Astrachan am Kaspischen Meer in die obere Wolga fahren und somit die Häfen an der Ostsee erreichen. Damit ist ein alter Traum, den bereits Iwan der Schreckliche und Peter der Große hegten, in der Ära Stalins in Erfüllung gegangen.

Mit der Anlage des Stausees sind gewaltige ökologische Veränderungen verbunden, die in einem Forschungsinstitut für die Biologie der Stauseen an der Akademie der Wissenschaften Rußlands beobachtet werden. Im nord-westlichen Teil des Stausees liegt ein Schongebiet, in dem Vogelzucht und Umsiedling sowie weitere Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt erforscht werden. Angrenzend liegt der über 112 000 Hektar große Darwinski-Nationalpark. Am linken Ufer befindet sich eine biologische Forschungsstation, in der man sich mit dem Leben des Stausees und seiner Bewohner unter den neuen Bedingungen sowie der Zucht von Speisefischen befaßt. Natürliche Vorkommen im Stausee sind außer Hecht und Brassen auch Barsche und Karpfen.

Am Nordufer des Stausees liegt die Stadt Cherepovets. Schon von weitem sind die Schornsteine des metallurgischen Kombinats und der chemischen Betriebe zu erkennen. Die ursprünglische Siedlung aus dem XIV. Jahrhundert um das Auferstehungskloster entwickelte sich zu einem Zentrum der Handwerker und des Handels, bis dann die Industrialisierung einen gewaltigen Wachstumsschub verursachte. Die Zahl der Einwohner stieg von etwa 30 000 im Jahre 1939 bis heute auf das Zehnfache.

Erwähnenswert dort ist die Oktoberbrücke, eine einzigartige, zentral aufgehängte Konstruktion, die die Scheksna überspannt. Die Brücke erstreckt sich über mehr als

einen Kilometer, wiegt 7 000 Tonnen, ist über dem Wasser 85 Meter hoch und damit einzigartig auf der Reise.

Wolga

Wie die Birke - der Baum Russlands, der Wodka - das Getränk Russlands, so ist die Wolga der Fluß Russlands. An ihren Ufern entstand die Nation. Der Fluß entspringt in den Waldai-Höhen, von kleinen Zuflüssen gespeisst, wird das Bächlein schnell breiter, es fließt durch einige kleine Seen und wird zu einem Fluß. Bei Twer gute 200 km von der Quelle, hat die Wolga bereits 200 m Breite erreicht.

Insgesamt wird sie von ca. 150 000 Zuflüssen gespeist, von denen 71 schiffbar sind. 60% des Wasservolumens machen Schmelzwasser, 30% Grundwasser und 10% Niederschläge aus. So hatte die Schneeschmelze alljährlich vor dem Bau der Stauseen Hochwasser zur Folge: der Wasserstand stieg im April bisweilen bis zu 20 m an.

Ab November friert der Fluß zu, im Norden für 4, im Süden für 3 Monate. Jährlich werden 250 km3 Wasser ins Kaspische Meer transportiert: 3 Mal mehr als der Rhein in die Nordsee abgibt.

Das Flußbecken, d.h. das Territorium, das die Wolga mit allen ihren kleinen und grossen Nebenflüssen einimmt, erstreckt sich über eine Fläche von 1 400 000 km2: das entspricht der Fläche von Deutschland, Frankreich, Italien und England zusammengenommen. Die Wolga ist auf 3 500 km schiffbar. Ihr Gefälle beträgt nur rund 250 m, was bei einer Länge von 3 690 km die natürliche Trägheit des Flusses erklärt.

Der Flußablauf wird in drei Abschnitte unterteilt: Obere, Mittlere, und Untere Wolga.

Die beiden Ufer kontrastieren in eindrucksvoller Weise: von der Einmündung des Flusses Oka an ist das rechte Ufer steil und meist bewaldet. Es steigt in den Schiguli-Bergen bis zu 375 m an. Das linke "Wiesen- oder Steppenufer" ist dem gegenüber flach, wie die sich bis zum Ural anschließenden Gebiete.

Im nördlichen Bereich fließt die Wolga durch die Nadelwaldzone der Osteuropäischen Tiefebene, in der vorrangig Landwirtschaft vom Roggen-Kartoffeltyp mit Rinderzucht betrieben wird. Dann kommen Steppenzone und Halbwüstenzone. 100 km vor dem Kaspischen Meer beginnt sich die Wolga in ein Delta mit über 80 Armen auszufächern, das über 10 000 qkm umfaßt. Nur hier findet man in Europa die Lotos-Blume, die heilige Blume der Ägypter.

Die Wolga war schon immer für ihren Fischreichtum bekannt: Rotauge, Hering, Blei, Wobla, Zander, Hecht und natürlich Stör, dessen Laich den berühmten Kaviar liefert. Seinem Trieb gehorchend zieht der Stör jährlich vom Kaspischen Meer zu den alten Laichplätzen stromaufwärts. Auf seinem Wege stellen die bis zu 100 m dicken Mauern der Stauseen und Kraftwerke unüberwindbare Hindernisse dar. Mit Spezialfahrstühlen, an denen Fischkörbe angebracht sind, versucht man den Fischen zu helfen. Obwohl der Störfang um 50% zurückgegangen ist, kommen immer noch 90% der Weltproduktion des Kaviars von der Wolga.

Seinen heutigen Namen trug der Fluß nicht immer: im Altertum nannte man ihn „RA" – freigibiger Fluß, im Mittelalter „ITIL" – Fluß der Flüsse. Wolga bedeutet nach Meinung der Sprachforscher „HELLE; HERRLICHE" und der Name ist finno-ugrischer Herkunft. Finno-ugrische Stämme siedelten früher im Wolgagebiet. Es gibt auch die Meinung, dass der Name Wolga seinen Ursprung von der bulgarischen Hauptstadt Bolgar hat.

Schon seit Urzeiten hat die Wolga eine bedeutende Rolle in der Geschichte Rußlands gespielt. Für die Sicherung des Wolgaweges wurden die Städte: Jaroslawl, Uglitsch, Kasan, Astrachan, und die Festungen Samara, Saratow, Wolgograd gegründet, die sich zu bedeutendsten Städten entwickelten. In Schütze dieser Festungen vollzog sich die Besiedlung der Wolga durch Russen, aber der Fluß wurde erst relativ spät zu einem „russischen" Strom.

Bis zum politisch ruhigen 19. Jh. waren es vor allem Kosaken, die Wolga und Don unsicher machten. Als Piraten überfielen sie Lastkähne und Schiffe. Dennoch entwickelten sich Schiffahrt und Handel. Das Wirtschaftswachstum hatte soziale Spannungen zur Folge, die über die Jahrhunderte immer wieder in Aufständen zutage traten. Und immer waren es Kosaken, die die Anführer stellten oder sie unterstützten.

So begannen die größten Bauernaufstände in der russischen Geschichte unter der Leitung von Iwan Bolotnikow, Stepan Rasin, Kondratij Bulawin und Jemeljan Pugatschow an den Ufern der Wolga.

Die Wolga war durch die ganze russische Geschichte hindurch einer der wichtigsten Transportwege: noch im vorigen Jahrhundert war sie die „Hauptverkehrstraße". Im Frühjahr wurden Holz, Holzgeräte, Leinen und Schnaps flußabwärts und persische Seide, Salz und Fisch flußaufwärts transportiert. Aber auch der Grundstein für die Passagierschifffahrt wurde gelegt.

„Vergnügungssuchende" konnten um die Jahrhundertwende von Nischnij Nowgorod in neun Tagen nach Astrachan fahren. Die „Weiße Flotte" wurde in unserem Jahrhundert weiter ausgebaut und umfaßt 200 Passagierschiffe allein auf der Mittleren Wolga.

Die Bedürfnisse der Industrie nach billiger Energie, der Wunsch nach ausgebauten, bequemen Schifffahrtswegen und die Anforderungen der Landwirtschaft haben im Verlauf von über 100 Jahren zu zahlreichen Wasserbaumaßnahmen an der Wolga geführt.

Bei diesen Baumaßnahmen wurden 3,8 bis 4,5 Mio Hektar Land überflutet, Wald, Wiesen und Dörfer von Wassermassen begraben. Im Einzugsgebiet der Wolga leben ca. 60 Mio. Menschen, die ein Viertel der ehemals sowjetischen Industrie- und Agrarproduktion erzeugen.

Sicher hat diese moderne Flußlandschaft nicht mehr viel gemeinsames mit dem romantischen Bild, das man aufgrund von Geschichte, Bildern, Romanen und Verklärung von der Wolga und den Menschen an ihren Ufern macht.


Jaroslavl

Jaroslawl liegt an der Einmuendung des Flusses Kotorosl in die Wolga, erstreckt sich fast 30 km an beiden Ufern und nimmt 170 km2 ein. Die Wolga durchfliesst das Stadtgebiet von Nordwesten nach Suedosten: der Hauptteil der Stadt liegt am rechten steilen Ufer. In Jaroslawl leben heute ueber 636.000 Einwohner.

Jaroslawl ist aelter als Moskau: die Geschichte beginnt mit der slawischen Ansiedlung “Medweshij ugol” (Baerenwinkel), die im 9. und 10. Jh. an diesem Ort lag. Fuerst Jaroslaw der Weise unterwarf 1010 die Bewohner dieser Ansiedlung und gab ihr seinen Namen.

Jaroslawl erlebte aufgrund seiner guenstigen Lage an Wolga und Korosl eine schnelle Entwicklung und war 1218 Mittelpunkt des selbstaendigen Jaroslawler Fuerstentums. 1283 wurde die Stadt, in der es auch schon Steinbauten gab, von den in ganz Russland einfallenden Tataren gepluendert und zerstoert, in der Folge aber energisch wieder aufgebaut.

1463 konnte das aufstrebende Moskau sich das Jaroslawler Fuerstentum einverleiben. Zu Beginn des 17. Jhs.war Jaroslawl nach Moskau die zweitgroesste Stadt und eines der wichtigsten Handelszentren: Getreide, Leinen, Fisch und andere Waren wurden nicht nur innerhalb des Reiches gehandelt, sondern auch mit dem westlichen und oestlichen Ausland. Auch staedtebaulich ist das 17. Jh. das “Goldene Zeitalter”: die Baumeister errichteten Dutzende grossartiger Kirchen- und  Profanbauten, die den Ruhm der Stadt begruendeten (Johannes-Chrysostomes-Kirche, Prophet-Elias-Kirche u.a.). 1897 zaehlte man 77 Kirchen in der Stadt, heutzutage 18. Bei einem Grossbrand im Jahre 1658 fielen alle hoelzernen Befestigungsanlagen sowie zahlreiche Kirchenbauten und Wohnhaeuser den Flammen zum Opfer.

Im 19. Jh.errichteten sich die Adligen und Kaufleute Villen im russischen klassizistischen Stil. 1722 hatte Peter I. den Befehl zur Ansiedlung von Manufakturengegeben, die sich stetig entwickelten. Zu Beginn des 20. Jhs zaehlte Jaroslawl an die 50 grosse Betriebe, die hauptsaechlich Nahrungsmittel, Lacke und Farben sowie Textilien und Schnittholz lieferten. Nach der Errichtung der Sowjetmacht entwickelten sich neue Industriezweige: chemische Industrie und Maschinenbau. Zum ersten Mal auf der Welt wurden in Jaroslawl Autoreifen aus synthetischem Kautschuk hergestellt.

Die Stadt hat seit 1969 eine Universitaet, mehrere Forschungsinstitute, drei Hochschulen, zwei Theater, eine Philarmonie, einen Zirkus, Kinos, Klubs und Kulturpalaeste.

Im Stadtzentrum befindet sich die asymmetrisch erbaute fuenfkuppelige Prophet-Elias-Kirche (1647-1650). Das Ensemble des Erloeser-Klosters wurde Ende des 12./ Anfang des 13. Jhs. gegruendet. 1621-1646 wurde das Kloster mit bis zu 10 m hohen und 3 m dicken Mauern umgeben. Zwei Ecktuerme stehen am Podbelskij-Platz: der Gottesmutter-Turm (1623) im Nordwesten und der Uglitsch-Turm (1635) im Nordosten. Auf dem Kremlgelaende liegt die Erloeser-Verklaerungskathedrale, die 1516 auf den Fundamenten eines Bauwerks aus dem 13. Jh. mit klaren Linien und streng geometrischen Formen errichtet wurde.  Die beeindrueckende Christi-Erscheinungs-Kirche aus roten Ziegeln, die 1684-1693 von einem reichen Kaufmenn errichtet wurde, stellt den kroenenden Abschluss der Entwicklung der jaroslawler Baukunst dar.

Diese Stadt hat es mir ganz besonders angetan. Jaroslavl hat für mein Empfinden einen ganz besonderen Charme .... ganz anders, als die anderen Städte, die ich kennenlernen durfte.
 

Zum einen ist es die ganz andere Architektur, zum anderen eine provinzielle Auststrahlung, die ich ein wenig mit Bonn vergleichen würde. Der „Reichtum“ resultierte hier eben nicht aus Adelsfamilien, sondern aus bodenständigem Kaufmannstum. So sind denn auch die Häuser stilistisch vollkommen anders. Kein Prunk sondern Großzügigkeit. Es ist für mich vielleicht das etwas kolonialistische, was den Baustil ausmacht,und den ich als ganz besonders liebenswert ansehe.
 
Der Moskau-Wolga-Kanal

1931 faßte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei den Beschluß, Moskau durch einen Kanal mit der Wolga zu verbinden, um so die Trinkwasserversorgung der anwachsenden Hauptstadt zu sichern, durch Wasserkraftwerke günstig Strom zu erzeugen und vor allem einen kürzeren Weg mit ausreichendem Wasserstand zu schaffen.

Dieser künstliche Wasserweg wurde 1932 bis 1937 erbaut. Der Kanal beginnt am linken Wolga-Ufer in der Nähe der Stadt Dubna, 8 km von der Mündung des Dubna-Flüßchens in die Wolga. An dieser Stelle wurde ein Staudamm errichtet, wodurch der Iwanowskoje Stausee entstanden ist, was öfters als „Moskauer Meer" bezeichnet wird. Der Kanal endet im Moskauer Stadtgebiet südlich des Nördlichen Flußhafens, wo er sich unterhalb der Schleuse 8 mit dem Moskwa-Fluß vereinigt.

Der Moskau-Kanal ist eine gigantische technische Leistung. Am Kanalbett wurde eine Kaskade von insgesamt neun Schleusen, fünf Pumpwerken, acht Wasserkraftwerken, das größte davon ist das Iwanowskoje-Wasserkraftwerk, drei Flußhäfen und über 200 andere Anlagen wie Brücken, Tunnel u.a. gebaut. Im Verlauf der Bauarbeiten entstanden sieben künstliche Stauseen. Die wichtigsten Häfen sind Dmitrow, Jachroma, Bolschaja Wolga, Nördlicher Binnenhafen in Moskau. Die Fahrt durch den Kanal dauert etwa 10 Stunden und gibt navigatorisch keine Probleme auf.

Der Kanal ist 5,5 m tief, 85 m breit und für Schiffe bis zu 18.000 t befahrbar. Die Gesamtlänge beträgt 128 km. Auf der Kanalstrecke liegen insgesamt neun Schleusen. Von Dubna bis zum Moskauer Flußhafen sind es noch 123 km, und alle Schiffe müssen in den sechs Schleusen sukzessive auf das Niveau von Moskau gehoben werden, d.h. insgesamt 49 m.

Alle Schleusen sind Einkammer-Schleusen von 290 m Länge und 30 m Breite.

Die Errichtung des Moskau-Schiffahrtskanals hat mehrere Probleme gelöst: Wasserversorgung von Moskau, Wasseranreicherung des Flusses Moskwa, Transport von Baumaterialen, Nahrungsmitteln, Industriewaren, Erdöl usw. Die Stadt Moskau verwandelte sich in den „Hafen der fünf Meere" und erhielt Verbindung zur Ostsee, zum Weißen, Schwarzen, Kaspischen und Asowschen Meer.

Der Kanal ist ein gewaltiger hydrotechnischer Komplex. Die Architektur der Schleusen mit Steuertürmen und Pumpstationen sowie die der Staudämme zeichnet sich durch eine hydrotechnische Vollkommenheit aus.

Die Wände der Türme sind mit den Gedenktafeln, Emblemen des Sowjetstaates, Hochreliefs mit Episoden der Errichtung des Kanals verziert.

Er ist zu einem viel befahrenen Schiffahrtsweg geworden, der zunächst durch den um die Hauptstadt gelegenen Grüngürtel, d.h. durch Datschen- und Erholungsgebiete führt. An den Grünen Ufern der Stauseen liegen zahlreiche Erholungsheime, Sanatorien, Touristenstationen, Ferienlager und Sportzentren.

 Geographische Lage Moskaus 

Moskau nimmt eine Fläche von knapp 900 km2 ein und liegt 146 m ü.M. Die höhste Erhebung sind die Sperlingsberge mit 253 m Höhe. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 50 km, Ost-West-Ausdehnung – 30 km.

Moskau liegt in der europäischen Mischwaldzone. Die Umgebung ist leicht hügelig. Wälder, Wiesen und Ackerbau wechseln sich ab. Der Moskauer Raum befindet sich in der Zone des gemäßigten Kontinentalklimas, für das kalte Winter und heiße Sommer charakteristisch sind.

Im statistischen Mittel tritt der erste Nachtfrost am 14. September auf, fällt der erste Schnee am 28. Oktober und der Moskwa-Fluß ist vom 18. November bis zum 12. April zugefroren. 140 Tage liegt die Stadt unter dem Schnee.

Moskau ist mit mehr als 10 Mio Einwohnern (1998) und rund 1,5 Mio täglichen Pendlern und Besuchern nicht nur die weitaus größte Stadt in Rußland, sondern auch in Europa.

Wie oft im Trennungselend bange,

Im Los, das unstet mich gemacht,

Hab Deiner, Moskau, ich gadacht!

Moskau... was liegt im diesem Klange

Doch fuer ein russisches Herz darin!

Was klingt draus her, was klingt draus hin!
(Aleksandr Puschkin, 1799 - 1837)

Diese Verse schrieb Aleksandr Puschkin, als er nach langjähriger Abwesenheit wieder in Moskau eintraf. Und auch heute kennt, fühlt oder spricht jeder Moskauer diese Verse, wenn er aus der Fremde zurückkehrt.

Moskau ist für Russen keine gewöhnliche Stadt, sie ist auch nicht einfach die Hauptstadt des Landes: sie ist Quintessenz und

Mit seiner Lage bei 37,50 östlicher Länge und 55044 nördlicher Breite ist Moskau auf der gleichen Höhe wie Petersburg und Kopenhagen zu finden. In Sibirien würde die Stadt am Nordufer des Baikalsees liegen. Gefühlsmittelpunkt der mehr als tausendjährigen Geschichte, politisches und geistiges Zentrum, Inbegriff und Herz des heiligen Russlands. Keiner, der nach Moskau kommt, bleibt gelassen und ruhig, jeder erlebt eine Ausnahmestimmung, ein Hochgefühl, einen Rausch. Moskau.

Im 15. Jh. wurde Moskau zur Hauptstadt des zentralisierten russischen Staates und blieb es bis 1712, als der Zar Peter I., bekannt durch seine Reformen, die russische Hauptstadt nach Sankt-Petersburg verlegte. 1918 erklärte der sowjetische Regierungschef Wladimir Lenin Moskau zur Hauptstadt Sowjetrusslands. So blieb es bis zum Dezember 1991. Heute ist Moskau die Hauptstadt der Russischen Föderation.

Alle Etappen der schwierigen, uneindeutigen Geschichte eines riesigen Staates, der sich von Ostsee bis zum Pazifik erstreckt, hinterließen ihre Spuren am Antlitz der Stadt. Ruhige und majestätisch alte Kloster stehen neben stalinistischen Zuckerbäckerbauten, feine Villen im Jugendstil neben den sowjetischen Wolkenkratzern auf Nowy Arbat. Das Herz und Symbol Russlands ist nämlich der Kreml. Eben von hier aus begann Moskau zu wachsen. Daneben pulsiert reges Leben auf der Hauptstrasse der Millionenstadt – Twerskaja, die jahrelang Gorki-Strasse hieß. Eine neue Etappe, uneindeutig wie immer, begann im Leben Moskaus: die Strassen und Plätze bekommen ihre historischen Namen zurück, Neonreklamen bekannter ausländischer Firmen leuchten auf, Privatläden und Restaurants werden eröffnet. Hier in Moskau ist wie nirgendwo anders die Atmosphäre jener Wandlungen zu spüren, die seit einigen Jahren im Blickpunkt der ganzen Welt stehen. 




 
   
   
   
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